Pädagogische und konzeptionelle Ziele

Der Kleine Jugendtreff GoHin2028

Der Jugendtreff „GoHin“ ist eine pädagogische, konfessionell ungebundene Freizeiteinrichtung der Offenen Tür in Hannover-List. Jugendliche im Alter von zwölf und achtzehn Jahren mitunter- schiedlicher Nationalität, Sprache und Religionszugehörigkeit bilden die Klientel des Hauses, wobei der Anteil muslimischer Besucher derzeit bei ca. 90% liegt. Neben dem Angebot der Offenen Tür bestehen ein pädagogischer Mittagstisch sowie diverse Gruppen-, Kreativ-, Sport- und Freizeitangebote an vier Öffnungstagen in der Woche (auch während der Schulferien).

Pädagogische Methodik

Gearbeitet wird nach dem Konzept des „Empowerments“, d.h. der Hilfe zur Selbsthilfe. Hauptakteur ist dabei immer der Besucher/die Besucherin, der Mitarbeiter erarbeitet gemeinsam mit ihm/ihr Handlungsstrategien, wie er/sie die Aufgaben und Herausforderungen des Lebens selbst bewältigen kann.

Ziele

·       Toleranz und Respekt gegenüber anderen Besuchern, Mitarbeitern, Kulturen und Nationalitäten 

·       Positiver Umgang mit Erfolg und Misserfolg / Fairplay 

·       Gewaltfreie und konstruktive Konfliktlösungen

·       Selbstbestimmtes und -verantwortliches Handeln

·       Wahrnehmung und Entwicklung der eigenen Fähigkeiten

·       Sinnvolle, selbstbestimmte Freizeitgestaltung

·       Zielstrebigkeit in Schule und Beruf

·       Angemessener Umgang mit Nähe und Distanz

·       Aktive Mitgestaltung des Jugendtreffs und des Angebots

·       Selbständige Planung und Organisation von Aktionen, z.B. des pädagogischen Mittagstischs, Turniere, Einkäufe usw.

·       Kritisches DenkenJugendleiterausbildung Papierschöpfen

·       Wertschätzung der materiellen Einrichtung des Jugendtreffs

·       Auflösung des Lebenskonzepts der „Macht des Stärkeren“

·       Kooperation und Austausch mit anderen Einrichtungen des Bezirks

Verhaltensentwicklung der Besucher im Jugendtreff in den letzten 5 Jahren

·       Vielen Jugendlichen fehlt es an sozialen Basics, wenn sie erstmals in den Jugendtreff kommen. So zeigt ein Großteil wesentliche Defizite in Kernkompetenzen wie Empathie, Toleranz, Frustrationstoleranz, Respekt, sachlicher Austausch von Meinungen und Emotionen  usw.. Stattdessen stehen Dinge wie Status, materielle Güter, körperliche Stärke oder sportliche Qualitäten im Vordergrund eines hierarchischen Miteinanders. Diesen Missstand versuchen wir durch individuelle, situationsgebundene Feedbacks zu lösen und erzielen damit schrittweise Erfolge.

·       Die Hausregeln werden bis auf wenige Ausnahmen eingehalten.

·       Die Anzahl der unterschiedliche Nationalitäten / Herkünfte der Besucher erhöhte sich von zwei auf aktuell zehn. Niemand wird mehr aufgrund seiner Hautfarbe, Nationalität oder Religionszugehörigkeit ausgeschlossen.

·       Vor ca. drei Jahren wurden gezielt Schwachpunkte bei anderen Besuchern und den Mitarbeitern gesucht, um sich selbst darüber zu profilieren. Derzeit haben wir mehrere Schüler mit speziellem Förderbedarf als Stammgäste. Diese werden dafür selten gemobbt, sondern i.d.R. wird versucht, sie trotz ihrer erkennbaren Defizite in gemeinsame Aktionen zu integrieren.2143

·       Die Häufigkeit der Nutzung des Wortes „Jude“ als Beleidigung für andere Jugendliche sank rapide ab. Mittlerweile wird es kaum noch benutzt und es wird eine „Gelbe Karte“ als Konsequenz sofort akzeptiert.

·       Die Jugendlichen erkennen die Arbeit der Mitarbeiter an und respektieren sie. Vertrauen konnte aufgebaut werden und die Jugendlichen kommen mit familiären, schulischen oder rechtlichen Schwierigkeiten zu ihnen.

·       Fast alltägliche Diskussionen um die Themen Religion und Rassismus werden mittlerweile (im Gegensatz zu damals) meistens sachlich geführt.

·       Seit drei Jahren gab es lediglich einmal körperliche Gewalt und, mit ebenfalls einer Ausnahme, keinen Vandalismus mehr im Jugendtreff.

·       Während bis vor einem Jahr immer zumindest einer der Beteiligten eines sportlichen Wettkampfes nach einem Sieg oder einer Niederlage den jeweiligen Gegner mobbte, geben sich heute nach fast jedem Duell die Kontrahenten die Hand und sagen „gut gespielt“.

·       Einst ungeliebte und als „Frauenarbeit“ titulierte Tätigkeiten wie Putzen, Kochen, Einkaufen oder Abwaschen werden inzwischen als notwendiges Übel einkalkuliert und akzeptiert. JENOPTIK DIGITAL CAMERA

·       Der Blickwinkel vieler Jugendlicher hat sich erweitert: Früher war die eigene Fragestellung „Was ist gut für mich?“, heute „Was ist für mich gut und schadet dabei den anderen nicht?“

·       Die  Anzahl der verhängten Hausverbote konnte von ca. zehn auf einen pro Monat reduziert werden.

·       Es gelang ansatzweise, auch Mädchen für den Jugendtreff zu gewinnen. Aufgrund des Mangels einer weiblichen Kraft, blieben die Mädchen aber bald wieder aus.

·       Kooperationen und Austausch mit anderen Einrichtungen klappen teilweise sehr gut, teilweise leider nicht.

·       Die Hausregeln werden bis auf wenige Ausnahmen eingehalten.